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Reisebericht - China

Mein China-Trip war wirklich extrem gut. Auch die Kleingruppe (9 Leute), mit der ich gereist bin, hat gut gepasst.

6.600 km durch das Reich der Mitte in drei Wochen mit Bahn, Bus, Schiff und Flieger. Dieses Quantum konnte man nur bei guter Organisation schaffen. Unser chinesischer Reiseleiter (Chen oder auf deutsch Franz) hatte Germanistik und Touristik studiert. Also der richtige Mann und ein toller Typ. Tja, Franz, der kann´s.

Das Essen war sehr gut (wir sind jeden Tag chinesisch essen gegangen) und die Unterkünfte auch - vom einfachen Bauernhaus bis zum Vier-Sterne-Schuppen war alles dabei.

Neben all den Sehenswürdigkeiten und schönen Landschaften (Yangtse-Staudamm und Fluss, Terrakotta-Armee, Verbotene Stadt, große Mauer, Platz des "himmlischen" Friedens, Pagoden, Klöster, Mega-Städte, kleine Dörfer, Karstfelsenlandschaften, Reisfelder etc.) ist der wirtschaftliche Boom besonders beeindruckend. Nicht unbedingt immer schön, da ich noch nie so viel Beton in Form Hochhäusern, Brücken, Straßen etc. gesehen habe. Passt aber irgendwie zur Aufbruchstimmung des Landes. Und die Leute bleiben trotzdem irgendwie cool. Ist nicht immer leicht bei Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad und meistens über 90% Luftfeuchtigkeit. War besonders auffällig in einer Mega-Stadt am Yangtse, wo die Menschen (lt. Führer) besonders glatte Haut haben und schöner sind als anderswo. Hat wirklich gestimmt:

Wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist, brauch man keine Creme (haha!). Wie überhaupt die Menschen auch in großer Hektik immer vergleichsweise ruhig und rücksichtsvoll sind - eben asiatisch höflich und sympathisch. Außer den Neu-Reichen, die auch dort mit ihrem dicken Hintern den größten Schatten werden wollen. Ist eben genauso wie bei den Langnasen (so nennen uns die Chinesen).

Besonders interessant sind die Minderheiten, von denen es über 500 gibt und die 7% der Gesamtbevölkerung ausmachen. Mit traditioneller Kleidung und einem etwas anderen Aussehen bilden sie die Farbtupfer insbesondere auf dem Land. Ich habe die Yao, ein Bergvolk im Süden des Landes, kennen gelernt. Sie machen besonders schöne Handarbeiten und rennen die Berge hoch wie die Gämsen. Außerdem schneiden die Frauen ihre Haare niemals ab und haben daher eine turbanartige Frisur - nicht unflott. Die Minderheiten dürfen auch mehr als ein Kind haben. Ansonsten war wohl die Ein-Kind-Politik keine so gute Idee, wenn auch bevölkerungspolitisch unumgänglich. Es kam wie es kommen musste: Der kleine Prinz/oder Prinzessin erzieht die Eltern und wird nach Strich und Faden verwöhnt. Da die Chinesen selbst gern verreisen, kann man dieses Schauspiel überall beobachten. Auch im späteren Alter hat dies eher nachteilige Folgen, wenn Sohnemann (oder Töchterlein) alles haben will. Deshalb kommen auch chinesische Politiker mittlerweile ins Grübeln.

Bauern, die zwei Kinder haben dürfen, gibt es natürlich auch noch. Nur ein paar hundert Millionen. Sie werden derzeit vom Staat sehr gehätschelt, damit sie auf ihrer Scholle bleiben und nicht in die Stadt flüchten. Wanderarbeiter gibt es genug. Sie müssen schließlich mit ihren meist kleinen Reisfeldern die großen Städte versorgen. Sozialistische LPGs gibt es nicht mehr. Jeder kann anbauen, was er will und auch vermarkten. Auch das soziale Netz gibt es eigentlich nicht mehr. Jeder muss gucken, wo er bleibt. Mao und Sozialismus ade !!!

Es gibt eine unglaubliche Vielzahl von Nahrungsmitteln, insbesondere Obst. Ich schwelgte oft in traumhaften Mangos, Melonen, Papayas und Drachenfrüchten. Einen toten Hund habe ich auch gesehen, aber nicht gegessen. Isst man nur im Winter, weil er wärmen soll. Ahhh ja !

Und auf den Straßen gibt es kaum noch Rikschas (bin nur einmal auf einer Touri-Rikscha durch die Gegend geschaukelt worden), sondern nur noch dicke Audis, Daimler, BMWs ... und auch noch ein paar kleinere Japaner.

Zum Schluss waren wir noch zwei Tage in Hongkong. Dort war ich schon vor 11 Jahren mal drei Wochen. Fühle mich dort also wie zu Hause. Die Stadt mit Linksverkehr hat immer noch ihren Sonderstatus und erfindet sich immer wieder neu mit der berühmten Skyline, dem Bankenviertel, den Luxushotels, den Konsumtempeln (incl. den Straßenverkäufern mit gefälschten Rolex Uhren), gigantischen Wohnblocks und tausenden von Restaurants.

Übrigens, auch dort werden Hunde mittlerweile weniger gegessen als spazieren geführt. Wie mittlerweile auch in Shanghai. Das Zeitalter der Schoßhündchen setzt sich also auch im Reich der Mitte durch.

Gesundheitliche Probleme (Verdauung!) hatte ich während der Reise überhaupt keine. Westliche oder chinesische Medizin musste ich also nicht in Anspruch nehmen. Die Reisegesellschaft hat uns sogar noch eine Fußreflexzonenmassage spendiert. Dauerte eine ganze Stunde und war nicht immer angenehm, da es ziemlich auf die Knochen ging. Also nix mit zarter und filigraner Herangehensweise, wie man sie in Asien vermuten könnte. Ich fand es aber trotzdem gut, da ich jetzt weiß, wo sich einige bislang unbekannte Gräten in meinem Körper befinden.

Das war der Schluss der Reise.

Hier noch einmal kurz die einzelnen Stationen der Reise:

  • Peking
  • Xi-an (Terrakotta-Armee)
  • Luoyang (Longmen-Grotten mit Buddha-Statuen, Shaolin-Kloster)
  • Shanghai
  • Suzhou (Gartenbaukunst und Seidenspinnerei)
  • Wuzhen (Wasserdorf)
  • Yangtze-Kreuzfahrt (4 Tage)
  • Chongqing (größte Stadt Chinas)
  • Guilin - von dort Flussfahrt auf dem Li-Fluss durch die Karstkegellandschaft nach
  • Yangshou (kleines Arenal in Süd-China).
  • Von dort Wanderung nach Longsheng (Bergdorf mit Reisterrassen)
  • Kanton
  • Hongkong

 

Grüße
Heino Hammann